
In diesem Beitrag
Ceramide stehen auf immer mehr Cremes, oft zusammen mit dem Begriff Hautbarriere. Wir erklären, was dahintersteckt, wie du Ceramide auf der Verpackung erkennst und was du von einer Ceramid-Pflege erwarten kannst.
Was Ceramide sind
Ceramide sind Lipide, also Fette. Sie kommen natürlich in der Hornschicht vor, der obersten Schicht der Haut. Dort machen sie einen großen Teil der Fette aus, die zwischen den Hornzellen liegen.
Es gibt nicht "das" Ceramid, sondern eine ganze Familie mit unterschiedlichem Aufbau. In Kosmetik werden vor allem hautidentische Ceramide eingesetzt. Sie werden meist biotechnologisch oder synthetisch hergestellt und entsprechen in ihrer Struktur den Ceramiden der Haut.
Die Hautbarriere kurz erklärt
Die Hornschicht wird oft mit einer Mauer verglichen. Die Hornzellen sind die Ziegel, die Fette dazwischen der Mörtel. Dieser Mörtel besteht im Wesentlichen aus drei Bausteinen:
- Ceramiden
- Cholesterin
- freien Fettsäuren
Zusammen bilden sie geordnete Schichten. Die Barriere hat zwei Aufgaben: Sie hält Wasser in der Haut und sie erschwert es Stoffen von außen, in die Haut einzudringen.
Ist der Mörtel lückenhaft, verliert die Haut leichter Feuchtigkeit. Sie kann sich dann trocken, rau oder gespannt anfühlen und empfindlicher reagieren. Typische Belastungen für die Barriere sind häufiges Waschen mit starken Tensiden, heißes Wasser, trockene Heizungsluft, Kälte und zu viele Peelings.
Was Ceramide in Kosmetik leisten können
Eine Creme mit Ceramiden liefert der Hornschicht von außen Bausteine, die dort ohnehin vorkommen. Das kann die Barriere unterstützen und helfen, den Feuchtigkeitsverlust zu verringern. Die Haut fühlt sich dann oft glatter und weniger gespannt an.
Viele Rezepturen kombinieren Ceramide mit Cholesterin und Fettsäuren, weil die drei Bausteine in der Haut zusammen vorkommen. Häufig stehen daneben Feuchthaltemittel wie Glycerin, Hyaluronsäure oder Panthenol. Die Aufgaben ergänzen sich: Feuchthaltemittel binden Wasser, Lipide helfen, es in der Haut zu halten.
Was Ceramide nicht sind: ein Mittel gegen Hautkrankheiten. Bei Ekzemen, Neurodermitis oder anhaltend entzündeter Haut gehört die Pflege in ärztliche Begleitung.
Kurz gesagt: Ceramide sind hauteigene Fette. In einer Creme können sie die Hautbarriere unterstützen und der Haut helfen, Feuchtigkeit zu halten. Eine Behandlung von Hautkrankheiten sind sie nicht.
Ceramide in der INCI-Liste erkennen
Die Bezeichnungen wirken auf den ersten Blick kryptisch. Die Buchstaben hinter dem Wort Ceramide beschreiben den chemischen Aufbau. Ältere Deklarationen verwenden Zahlen.
| Aktuelle Bezeichnung | Ältere Bezeichnung |
|---|---|
| Ceramide EOP | Ceramide 1 |
| Ceramide NS | Ceramide 2 |
| Ceramide NP | Ceramide 3 |
| Ceramide AP | Ceramide 6-II |
Ceramide werden in kleinen Mengen eingesetzt und stehen deshalb oft im hinteren Teil der Liste. Das ist üblich. Aussagekräftiger als die Position ist die Frage, ob die Formel auch Cholesterin (INCI: Cholesterol) und Fettsäuren oder pflanzliche Öle enthält.
Begriffe wie "Ceramid-Komplex" auf der Vorderseite sind Werbesprache. Welche Ceramide tatsächlich enthalten sind, zeigt nur die Deklaration.
Für wen Ceramide sinnvoll sind
Ceramide passen grundsätzlich zu jedem Hauttyp. Besonders häufig greifen Menschen zu Ceramid-Pflege, wenn:
- die Haut nach dem Reinigen spannt,
- die Haut im Winter rau und schuppig wird,
- Wirkstoffe wie Retinol oder Fruchtsäuren in der Routine stehen und die Haut trockener wird,
- die Haut schnell mit Rötungen auf neue Produkte reagiert.
Auch die dünne Haut der Lider kann von einer barrierefreundlichen Pflege profitieren. Mehr dazu steht im Beitrag über trockene Augenlider.
Bei fettiger Haut kommt es auf die Textur an. Ceramide gibt es auch in leichten Lotionen und Gelcremes, die weniger reichhaltig sind als klassische Cremes.
So baust du Ceramide in die Routine ein
Ceramide sind unkompliziert. Sie sind nicht lichtempfindlich und vertragen sich mit den meisten anderen Inhaltsstoffen.
- Morgens: als Feuchtigkeitscreme vor dem Sonnenschutz.
- Abends: als letzter Pflegeschritt nach Reinigung und Serum. Die Reihenfolge erklären wir in der Abendroutine fürs Gesicht.
- Nach dem Reinigen: Trag die Creme auf die noch leicht feuchte Haut auf. So schließt du Feuchtigkeit mit ein.
Erwarte keine Veränderung über Nacht. Die Hornschicht erneuert sich laufend, und eine strapazierte Barriere braucht Zeit. Hilfreich ist es, in dieser Phase auch die Belastungen zu verringern: mild reinigen, lauwarmes statt heißes Wasser verwenden und Peelings pausieren.
Bessert sich trockene, juckende oder gerötete Haut trotz konsequenter Pflege nicht, lass sie hautärztlich abklären.
Häufige Fragen
Was sind Ceramide?
Ceramide sind Fette, die natürlich in der obersten Hautschicht vorkommen. Zusammen mit Cholesterin und freien Fettsäuren füllen sie die Räume zwischen den Hornzellen.
Für welchen Hauttyp eignen sich Ceramide?
Grundsätzlich für jeden. Besonders häufig stehen sie in Produkten für trockene, empfindliche oder strapazierte Haut.
Wie erkenne ich Ceramide in der INCI-Liste?
An Bezeichnungen wie Ceramide NP, Ceramide AP oder Ceramide EOP. Ältere Listen nennen stattdessen Ceramide 3, Ceramide 6-II oder Ceramide 1.
Kann ich Ceramide morgens und abends verwenden?
Ja. Ceramide sind nicht lichtempfindlich und lassen sich in die Morgen- und in die Abendroutine einbauen.
Dieser Beitrag informiert allgemein über Kosmetik und Pflege und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Bei anhaltenden Beschwerden an Haut, Augen oder Lidern wende dich bitte an eine ärztliche Praxis.


